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Infrastruktur ist Krisenvorsorge
Die Containerriesen des interkontinentalen Schiffsverkehrs sind das Markenzeichen der Globalisierung und werden es bleiben. Die Wirtschaftskrise wird ihren Einsatz eher beschleunigen und den Anteil großer Schiffe in den Flotten weiter erhöhen.
Die Globalisierung der Produktionssphären und Handelsbeziehungen hat für ein starkes Wachstum des kostengünstigen und ressourcenschonenden Seetransports gesorgt. Da die Globalisierung ein Grundprozess der letzten und der kommenden Jahrzehnte ist, wird sich das Wachstum des Seetransportes auch in Zukunft fortsetzen. Was heißt das für Hamburg?

Hamburg und die Globalisierung

Die Umschlagszahlen der letzten Jahre bilden die herausragende Marktstellung Hamburgs deutlich ab. Prognosen bescheinigen, dass Hamburg insbesondere seinen Containerumschlag weiter deutlich steigern können wird. Jüngere Studien gehen von einer Verdreifachung bis 2025 aus.

Andererseits nimmt die weltweite Finanz- und beginnende Konjunkturkrise spätestens seit Sommer 2008 erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse der maritimen Transportwirtschaft. Mit sinkender Nachfrage und weniger Handelsaktivität nimmt die Zahl der transportierten Waren ab. Der Hamburger Hafen hat im Jahr 2008 beim Umschlag in TEU einen Rückgang von 1,5 Prozent zu verzeichnen gehabt. Gegenüber dem durchschnittlichen Zuwachs von jährlich 12,8 Prozent im Zeitraum 2000–2007 ist das ein Einbruch, den man mit vollem Recht als dramatisch bezeichnen kann.

Es werden sich jedoch alle Trends der maritimen Logistik, die mit der Globalisierung in enger Verbindung stehen, weiterhin und über die konjunkturellen Bewegungen hinweg ausprägen. Dies gilt z.B. für die Containerisierung, die inzwischen fast sämtliche Stückgüter erfasst hat, nun auf das Massengut ausstrahlt und auch im Bereich der Binnenschifffahrt stark voranschreitet. Es gilt ebenso für die stetige Transportkostenoptimierung über Herausbildung ladungsstarker Hauptlinien und Mainports sowie, damit einhergehend, für den Einsatz großer Schiffe.

Mehr Kostendruck bedeutet größere Schiffe

Der Einsatz großer Schiffseinheiten wird durch die konjunkturelle Krise eher noch verstärkt werden, da bei diesen geringere Transportstückkosten entstehen. Auf den Hauptlinien zwischen Asien, Europa und Amerika erleben wir dies derzeit als primäre Reaktion auf geringer werdende Ladungsvolumina. Die Ladung wird soweit möglich auf den modernsten und größten Schiffseinheiten zusammengeführt, weil schrumpfende Märkte das Erfordernis der Wettbewerbsfähigkeit bzw. Kostenreduktion massiv verstärken.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die geplante Anpassung der Elbfahrrinne an die Tiefgänge der modernen Containerschiffe sowie die Anpassung der Terminalkapazitäten und Landverkehrsinfrastruktur an deren Umschlagsvolumina an Dringlichkeit noch gewinnen. Um es zusammenzufassen: Die sich abzeichnende Krise weiter Teile der Weltwirtschaft stellt die großen Infrastrukturprojekte für die maritime Transportwirtschaft nicht in Frage. Die Fahrrinnenanpassung ist nicht mehr allein eine wichtige, drängende Gestaltungsaufgabe für die langfristige Bewältigung künftiger Verkehre. In diesen Monaten können wir erkennen, dass sie sogar den Charakter einer wichtigen und wirksamen mittelfristigen Krisenvorsorge gewinnt. Die zügige Umsetzung dieser Maßnahme sollte ganz Norddeutschland ein vorrangiges Anliegen sein.




Konjunkturdelle oder Ende der Globalisierung?


Stellt die aktuelle Stagnation alle Prognosen in Frage? Sind infolgedessen die Planungen für Fahrrinnenanpassung, Terminalausbau, Verkehrswegeausbau zu ändern? Diese Fragen sind berechtigt schon angesichts des Ausmaßes, mit dem sich der krisenhafte Einbruch der Weltwirtschaft bereits abzeichnet.

Ihrem Charakter nach handelt es sich bei der aktuellen Krise teils um eine Finanzmarktkrise, teils um eine beginnende konjunkturelle Abwärtsbewegung in der Realwirtschaft. Letztere Sphäre ist für die Transportwirtschaft am Ende maßgeblich, wobei beide Krisensphären in Wechselwirkung miteinander sich gegenseitig verstärken können.

Infolge einer konjunkturellen Abwärtsbewegung bzw. Rezession können Produktion und Austausch von Waren zeitweilig stagnieren oder zurückgehen. Gleichwohl wird der langfristige weltwirtschaftliche Entwicklungsprozess durch eine Rezession nicht umgekehrt oder grundlegend verändert.

Rezessionen ändern nichts am Fortschreiten der industrialisierten Warenproduktion und der wachsenden Automation industrieller Fertigungsprozesse. Sie ändern auch nichts an der Globalisierung als Prozess der fortschreitenden Internationalisierung der Produktion und Konsumtion bei gleichzeitig wachsender Vernetzung aller beteiligten Akteure. Alle diese Prozesse sind derzeit weder am Ende angelangt noch befinden sie sich in einer kritischen Phase. Der Globalisierungsgewinner Hamburg kann weiter auf die Globalisierung setzen. Es bestehen daher auch keine Zweifel an der mittel- und langfristigen Erreichbarkeit der prognostizierten Wachstumswerte.